Das Dackelgesicht

Meine Kindheit in Nierstein

Ich Thorsten Helmut Schmitt erblickte das Licht der Welt am 01.05.1964 in Mainz. Meine Eltern betrieben ein kleines Weingut in Nierstein in Rheinland –Pfalz. An meine ersten 6 Jahre meines Lebens kann ich mich kaum erinnern. Ich weiß darüber nur das was man mir darüber erzählt hat und das was ich später auf den „Normal 8“ Filmen, die mein Vater von mir gedreht hat gesehen habe. Diese Filme aus der Zeit in der es noch keine Videos und DVD gab habe ich mir in meiner späteren Kindheit sehr häufig angesehen und zwar nicht wegen der Filme, die häufig nur Bergkulissen und Meeresbuchten zeigten, sondern wegen derTechnik des Filmprojektors dessen Geratter und Geflackere mich in den Bann zog und faszinierte. Überhaupt alles was mit Technik zu tun hatte, konnte mich stundenlang beschäftigen, zum Ärger meines Vaters der mich lieber auf dem Fußballplatze gesehen hätte, obwohl ich seine Leidenschaft für die „Märklin Baukästen“ aus seiner Kindheit übernommen hatte genau wie die Vorliebe meines Großvaters und meiner Mutter für Waffen und Sprengstoff, da mein Großvater Sprengmeister war. Ich erinnere mich genau das es mir ziemlich peinlich war, wie meine Mutter, bei meiner Vereidigung als Bundeswehrsoldat unbedingt die Ausstellung der Waffen sehen wollte. Die ersten Erinnerungen meiner Kindheit begannen mit wenigen kleineren Begebenheiten im Kindergarten, die nicht nennenswert sind mit dem ersten Schultag b.z.w. dem Tag davor, als meine Mutter zu meiner Schwester sagte, sie solle mir mal auf der Schiefertafel, die bei uns auf der Terrasse stand, zeigen wie man ein Haus zeichnet damit er uns morgen nicht ganz so blamiert. Das war der Beginn einer sehr schlimmen Schulzeit. Aus der bis dahin offenbar   liebenswerten Mutter, entpuppte sich eine auf Leistung bezogene dominante rücksichtslose Erzieherin. Meine Schwester bekam das schon 5 Jahre früher zu spüren, obwohl ihr das Lernen leichter viel wie mir, bekam sie schon wegen zweien und dreien, die sie nach Hause brachte Prügel. ich konnte von Glück sagen, wenn ich in meinen Diktaten und Aufsätzen eine vier nach Hause brachte, wofür ich aber keine oder nur selten Prügel zu erwarten hatte, sondern nur derbe Beschimpfungen, weil mir von frühester Kindheit gesagt wurde ich wäre vom Kopf her krank. Die Lehrer allerdings sagten ich sei flechmatig und faul. Das Wort Legasthenie , gab es damals noch nicht und die Parkinson Krankheit bei einen

Kind schon gar nicht. Das ich hilflos beteuerte, dass sich beim Schreiben, nach ein paar Zeilen meine rechte Hand verkrampfte interessierte niemanden. Statt
dessen wurden mir unter Androhung von Prügel mit einer Hundepeitsche oder dem Satz „Ich habe dich geboren, dann darf ich dich auch töten“ Versprechen
abgerungen, die ich trotz größter Anstrengung nicht halten konnte, In der Schule war ich deshalb auch bei meinen Klassenkameraden sehr bald der Dumme, Ich hatte jeden Tag furchtbare Angst in die Schule zu gehen, Zu Hause die Eltern mit ihrem Druck und in der Schule das Gehänsel und dann immer wieder den gleichen Satz der Mutter: „Die Leute dürfen nicht reden“. Das darüber meine kleine Kinderseele zerbrach war ihr völlig egal. Für sie war ich ja der Schuldige. Sie dachte uns Liebe zu geben indem sie uns teure Spielzeuge kaufte und tolle Kindergeburtstage ausrichtete, aber man konnte sich nicht mit Problemen an sie wenden. Das Wort Verständnis kannte sie nicht. Ich hab es einmal versucht. das war ein Fehler. Bei der nächst möglichen Gelegenheit hatte sie das was ich ihr anvertraut hatte
wieder gegen mich verwendet. Materiell hatten wir alles aber richtige Liebe und Verständnis hatten wir nie. Liebe gab es nur, wenn man die angeforderten Leistungen erbracht hatte und das war bei mir ja leider selten. Liebe kam nicht auf selbstverständliche weise wie ich es bei meinem Cousin und seiner Familie sehe, das auch mal der Vater seinem Sohn in den Arm nimmt, darauf habe ich als Kind jahrelang vergeblich gewartet. Er war nicht mal fähig mich zu schlagen, ich hab mich manchmal danach gesehnt das er mich wenigstens auf diese Weise mal berührt hätte, aber das machte auch meine Mutter mit dem Holzkochlöffel auf die nackten Oberschenkel bis er abbrach. Mein Vater ist ein Feigling wie ich es die ganzen Jahre war, aber diese Feigheit wurde anerzogen, bei ihm durch seinen Vater, bei mir durch meine Mutter, indem sie mich immer merken ließ, wie wertlos ich war, wenn ich nicht die geforderte Leistung erbrachte. Und das hat sich bis heute nicht geändert. Sie ist der unfehlbare Gott. Ich war in der Schule sehr schnell das Muttersöhnchen, weil ich immer die Modernste Kleidung trug. Was sich heute Kein Mensch mehr vorstellen kann, wurde in dieser Dorfschule mit laut schallenden Gelächter gesühnt. Zum Beispiel als die gleichaltrige Pfarrerstochter mich ansprach und meinte. „Warum trägst du heute Turnschuhe, wir haben doch heute gar keinen  Sportunterricht, oder habt ihr zu hause kein Geld für richtige Schuhe“. Wobei man sagen muss, das Turnschuhe damals tatsächlich billig in den verwendeten Materialien waren. Sie bestanden aus einer dünnen Gummisohle und einem Obermaterial aus  Stoff der
meist blau war und mit weißen Schnürsenkeln zugebunden wurden. Dann kam meine Mutter auch noch auf die Idee mir mit 10 Jahren „Dauerwellen“ machen zu lassen. Da war ich in der Schule ganz unten durch. Selbst bei den Lehrern, war ich nur noch die kleine Tunte. Ich glaube heute, dass meine Mutter mich homosexuell machen wollte, da ich ja auch im Winter Keine Langen Unterhosen anziehen durfte,
sondern die gestrickten Wollstrumpfhosen meiner Schwester tragen musste, obwohl die nicht nur furchtbar warm waren und kratzten, sondern Beim Sportunterricht
für noch mehr Stimmung in der Klasse gegen mich sorgten. Für diese Bauernkinder war ich die ersten 4 Jahre der Grundschule nur der Klassentrottel. Jedes Flehen bei der Mutter, Vater hatte eh nichts zu melden, wurde nur als Schwäche aufgenommen und durch noch mehr Liebesentzug bestraft. Seit dem Entwickelte ich
einen  Hass auf meine Mutter, der so weit ging, das ich als 14 jähriger meinen Vater vorschlug sich scheiden zu lassen, nachdem meine Mutter bei einer Feier
einen Fremden Mann geküsst  hatte und mein Vater ihr vor versammelter Mannschaft eine scheuerte. Aber leider war er zu mehr nicht fähig.3 Wochen später war er
wieder der Brave Hörige „Wau Wau“. Das Ganze wurde auch nicht besser mit dem Wechsel auf die Realschule Nierstein Da ich zu dieser Zeit noch mit meinen Eltern in Urlaub fuhr und zwar immer an einen Kleinen Ort an der Cote Azur namens „Cavaliere“ in dem es eine kleine
bucht gibt, in die es damals die ersten FKK Anhänger hinzog und weil das Modern war waren meine Eltern natürlich auch dabei , das , das für mich mit anfangender
Pubertät natürlich Peinlich war, wurde ich regelrecht gezwungen auch die Badehose Auszuziehen und völlig nackt herumlaufen. Dies hat bei mir offen bar einen Knacks in meiner sexuellen Entwicklung ausgelöst, der sich noch verschlimmerte nach meiner Rückkehr ins konservative Deutschland und meine Nahtlose Bräune in der Schuldusche bei den Bauernlümmeln wieder für mehr Zündstoff für Gelächter und Gehänsel sorgte.
Als ein Bauernjunge einem Lehrer steckte, ich sei in die „Phulkaut“ gefallen und sei deshalb so braun und mich dieser bescheuerte Lehrer auch noch trösten wollte
und vor der Ganzen Klasse zu mir meinte das könne doch jedem mal passieren, löste das ein schallendes Gelächter aus und gab wieder Auftrieb zu weiteren
Spekulationen dieser Idioten. Dieser DR. Specht meinte das tatsächlich ernst, weil er sich offenbar selber keine andere Erklärung vorstellen konnte. Er war selber so altmodisch, das er einem Jungen, der den Vornamen „Robby“ angab, den Eltern einen Brief mitgab. Sie mögen ihm bitte den richtigen Namen ihres Sohnes mitteilen, weil dieser sich weigerte seinen zu sagen, damit er den Jungen im Deutschunterricht mit seinem deutschen Namen ansprechen könnte. Der Junge brachte daraufhin am nächsten Tag seinen Kinderausweis mit und präsentierte ihm grinsend dem frustrierten  Lehrer für den alsbald eine Welt
zusammenbrach. Da stand tatsächlich als einziger Vorname nur „Robby“ und der hatte auch noch Schulterlange blonde Haare wie ein Mädchen, er aber hatte es geschafft, sich gegen die Bauernlümmel auf seiner vorhergehenden Schule, durchzusetzen. Ich dagegen hatte meinen Namen  schon weg. Ich war auch als Kind sehr schüchtern und ängstlich und er wahr rotzfrech und hatte selbst vor Erwachsenen keine Angst. Damals erfuhr ich gerade von diesem Lehrer, der auch
Englisch unterrichtete, dass meine „Blue Jeans“ die ich voller Stolz trug, gar keine waren, sonder rote Cordhosen. Das kam daher das meine Mutter, die kein
English konnte einfach sagte es seien „Blut Jeans“ wegen der roten Farbe und dieser Robby sich darüber halb tot lachte, weil er nämlich die richtigen Blue
Jeans trug  und zwar blaue Levis, wovon ich träumte bis ich mir, gegen den Willen meiner Eltern mit 13 Jahren die ersten „Wrangler“ kaufte und die passende Jeans Jacke dazu. Diese Hosen mussten natürlich unten ausgefranst sein, was für noch mehr Ärger sorgte.
Als meine Mutter wieder einmal zur Kur gefahren war, übernahm meine Großmutter das Waschen und Bügeln. Als ich meine Hosen aus dem Schrank holte bekam ich
einen Schock. Sie hingen fein säuberlich auf einem Bügel, waren unten herum, akkurat gesäumt, und das Schlimmste, sie hatten eine Bügelfalte. Aber das konnte
die alte Frau ja nicht wissen, sie hatte es ja nur gut gemeint. Ich habe es ihr dann erklärt und fortan hat sie die Jeans nur noch gewaschen. Bei meiner Mutter,
die diese Amerikanische Arbeiterkluft überhaupt nicht mochte , musste ich schon sehr früh meine geliebten Jeans selber waschen. Oder ich musste sie unter einem
Berg schmutziger, nasser Wäsche neben der Waschmaschine, die bei uns im Heizraum stand, heraussuchen. Das tragen dieser Jeans war für mich eine Art Protest. Das war die Einzige Freiheit die ich mir nehmen konnte. Da meine Schreibschwierigkeiten auf dieser Schule auch nicht besser wurden, wurde nach
meiner Alternative gesucht. Schließlich hatte meine Mutter, genau wie für meine Schwester ein Studium geplant. Für meine Mutter waren wir Kinder nur Vorzeige
Objekte, mit denen sie bei anderen Leuten angeben wollte, und diese Objekte hatten gefälligst zu Funktionieren, wenn das nicht klappte mussten sie repariert werden, also zu irgendeinem Arzt gebracht werden. Ich wurde  zu einem Dr. Frick in Mainz gebracht der damals schon sehr alt war, er verschrieb mir ein
Medikament namens „Dogmatil“ ein in der Psychiatrie verwendetes Psychopharmaka das normalerweise nur Erwachsene erhielten und das wie mir heute schon von
mehren Ärzten bestätigt worden ist meine Parkinson Krankheit ausgelöst hat. Ich habe dieses Medikament( 3 Kapseln täglich) ein und ein halb Jahre einnehmen
müssen und das ab meinen 10 Lebensjahr. Meine Mutter behauptet heute ich hätte es nur ein Paar Tage bekommen, aber warum kann ich mich dann heute noch an die verhasste blau weiße Schachtel so gut erinnern die ich damals sogar instinktiv gesammelt habe. Ich hatte davon über 20 Schachteln in meinem Schreibtisch
gefunden ,als ich mit 17 Jahren von zu Hause auszog. Ein Handwerksberuf kam also dann überhaupt nicht in Frage. Diese Leute werden heute noch abwertend als
„Steineklopfer“ bezeichnet. Also wurde eine Privatschule mit Hausaufgabenbetreuung gesucht und in dem Privaten Humbold Gymnasium in Wiesbaden, auch „Dummbold“ genannt, gefunden, das damals schon 500 DM im Monat kostete, die mir heute noch vorgehalten werden. Dort gab es alle 3 Monate Zeugnisse und es wurde fast jeder bis zum Abitur durchgeboxt. Meine weltfremde Mutter sagte mir damals vor dem Ersten Schultag  an dem ich noch hingebracht wurde das dort nur Brave Schüler aus gehobenen Familien zur Schule gingen. Mit den gehobenen Elternhäusern das traf bei ungefähr 60 % der Schüler auch zu, aber mit dem „brav “das haute nun überhaupt nicht hin. Sicher es gab ein paar Brave Schüler, zu dehnen ich gehörte, Ich hatte es immerhin geschafft in einem Vierteljahr unter 100 Klassen buch Einträgen zu bleiben, ein Klassenkamerad, hatte es geschafft an die 400 heranzukommen, Kein Wunder bei dem Taschengeld das die teilweise bekamen von 500 DM im Monat für ein12 jähriges Kind, dagegen war ich mit meinen 20 DM ein Bettler. Die wurden Teilweise morgens von einem Chauffeur gebracht und abends wieder abgeholt. Einige fuhren mittags mit dem Taxi in die Stadt zum Essen, ich war froh als mich einmal ein Deutsch Amerikaner in das erste MC Donalds mitnahm, das in Wiesbaden wegen der Nahen „Airbase“ aufgemacht hatte. Ich konnte mir damals gerade eine Portion Pommes leisten mehr war nicht drin. also eh da grad einmal mit hingegangen und dann erst wieder ein paar Jahre später, um mir die Blamage zu ersparen. Außerdem waren da damals sowieso fast nur Amerikaner drin. diese „Braven“ Schüler hatten so viel Geld ,das ihnen das Kaufen alleine Keinen Spaß machte. das brachte nicht den richtigen Kick, da war
das Abrechen von Mercedessternen und das Abschlagen von Emblemen von Teuren Autos Doch viel interessanter und lustiger. Die Parkhäuser in Wiesbaden waren ja schon damals voll davon. Ich kann mich erinnern das ein Junge eine ganze Edeka Einkaufstüte davon hatte, die der dann auf dem Schulhof für 50 Pf. Das Stück verkaufte. Mir hat er damals einen geschenkt, den ich immer noch besitze. Diese Zeit dort war sehr schwer für mich, weil ich jeden Morgen um 5 Uhr aufstehen musste, da um 6 Uhr der Zug fuhr. Damals habe ich schon wie ein normaler Pendler mir morgens meine Bildzeitung für 30 Pf. Geholt damit ich im Zug nicht wieder einschlief und jede Woche eine Packung Zigaretten, die waren in dieser Schule schon in der 5. Klasse ein Muss sonst war man ganz unten durch und Drogen gab es auch ohne Probleme, davon wollte ich aber damals noch nichts wissen. Sogar Handgranaten wurden mir schon für 65 DM das Stück angeboten. Dies war damals für mich eine Schlimme Zeit, da ja dann mit meinem 13. Lebensjahr die Konfirmandenstunde einmal pro Woche dazu kam. Wir hatten dummer weise einen
Pfarrer, der meiner Ansicht nicht mehr alle Tassen im Schrank hatte, er verlangte von uns Kindern, das wir die halbe Bibel auswendig zu lernen hätten, was für mich als eine Doppelbelastung war, weil ich ja auf einer
Ganztagsschule war und diesen von Menschen und nicht von Gott geschriebenen altmodischen Schwachsinn, wie ich damals offen bekundete dann am Wochenende lernen musste was mir sehr schwer fiel, weil ich als Legastheniker Probleme mit dem Auswendiglernen hatte. In einem Nachbarort gab es einen Pfarrer der das ganze kinderfreundlich ohne das mir verhasste Auswendiglernen durchzog. Ich hielt das ganze damals so und so für Überflüssig, da man ja schon auf dem Mond
gewesen war und dort keinen Gott gefunden hatte, also gibt es keinen . Aber meine Mutter hatte gleich wieder ihren Satz parat „ Du musst da hin gehen sonst reden die Leute über uns“ Das war wie ein Gesetz, dafür hasse ich sie heute noch. Das bekundete ich dann auch gegenüber diesem Pfarrer. Wir waren damals 84
Konfirmanden die in 2 Gruppen aufgeteilt wurden, dem entsprechend war der Geräuschpegel ziemlich hoch, also meinte der Herr Pfarrer wie ein Lehrer in der
Schule mit den Worten „Ihr raubt mir noch den letzten Nerv“ für Ruhe sorgen zu müssen, worauf ich laut aus meinem Inneren heraus konterte. „Wer raubt hier wem
den letzten Nerv?“ Das Ergebnis war das dieser Rot anlief und schrie „Raauus“.
Die anderen sahen mich nur mit entgeistert an. Sie dachten wohl nur wie kannst du es wagen dem Herrn Pfarrer so etwas zu sagen. Ich dagegen zog meine Schachtel „Pan Am“ Zigaretten aus meiner Hemdtasche, steckte mir eine Fluppe in den Mund, stand auf und ging das Feuerzeug aus meiner Hosentasche kramend an ihm vorbei mit den Worten „ Und tschüß“. Ich hörte dann nur noch „Das sag ich deinen Eltern“, was mir damals egal war. Sie kannten ja meinen Standpunkt und zumindest mein Vater respektierte ihn . Ich habe jedenfalls von Seiten meiner Eltern nie
was über diesen Vorfall gehört. Konfirmiert hat er mich jedenfalls trotzdem. Ich habe sogar etwas aus dem Katechismus vor der ganzen Kirche aufgesagt. Ich weiß
nicht mehr was es war. Ich hatte mich dazu sogar freiwillig gemeldet, damit er mich mit dem anderen Kram in Ruhe ließ. Es war nämlich seine Vorliebe, vor der
ganzen Gemeinde die Leute zu bestimmen, die dann irgendetwas aufsagen mussten, was er von ihnen hören wollte. Er ließ mich dann auch in Ruhe, ich glaube meine
Mutter hatte ihm vorher auch diesbezüglich bescheid gestoßen, weil sie eine Blamage ihrer Familie vor der ganzen Kirche verhindern wollte. Ich kann mich
erinnern, das ich einmal gegen 17 Uhr 30 vom Bahnhof nach der Schule müde nach Hause lief. Mein Heimweg führte mich an dem Haus vorbei, indem der
Konfirmandenunterricht stattfand. Von dort aus, kam mir, die vorher schon einmal genannte Pfarrerstochter entgegen und sagte vorwurfsvoll „Da bist du ja endlich,
der Herr Pfarrer wartet schon auf dich, hast du vergessen das du heute eingeteilt bist, für das Erntedankfest zu sammeln!“ Ich hatte es tatsächlich
vergessen, aber was sollte ich auch machen, aus der Hausaufgaben Überwachung an dieser Schule kam man erst heraus, wenn man alle Hausaufgaben erledigt hatte.
Weil ich von dem anstrengenden Tag müde und sauer war, weil ich in französisch wieder mal eine schlechte Zensur in der Tasche hatte, antwortete ich ärgerlich
„Ich bin müde ich geh nach Hause, der soll seinen Kram selbst zusammenschnorren !“ Sie erwiederte darauf „Das sag ich dem Herrn Pfarrer“ Mir ist heute immer
noch schleierhaft wieso sie ihren Vater als „Herr Pfarrer“ betitelte. Ich winkte ab und ging nach Hause und legte mich auf mein Bett und schlief 2 Stunden, wie ich es eigentlich jeden Tag tat, weil ich einfach fix und fertig war. Das war damals alles viel zuviel für mich. Ich hatte einen längeren Arbeitstag, als später in der Berufsausbildung. Sogar an den Wochenenden musste ich nicht nur für die Schule pauken, nein ich musste ja auch noch diesen altmodisch geschriebenen Biebelmist auswendigfernen und das alles nur damit die
bescheuerten Leute nicht reden. Schon in dieser Zeit dachte ich schon oft an Selbstmord. Dann kam noch dazu, das ich natürlich auch jeden Sonntag schön
sauber angezogen in die Kirche gehen, musste um mir das Geschwafel des “Herrn Pfarrer“ anhören musste, während der Rest meiner Familie ausschlief. Eines
Sonntag morgens stand ich auf und da meine Mutter mir neue Hosen hingelegt hatte, die nicht passten, zog ich die verwaschenen, ausgefransten Jeans an die
ich die ganze Woche auch für die Schule anhatte, was natürlich nach meiner Rückkehr Ärger gab, worauf ich nur sagte „Der Jesus am Kreuz hat auch keinen
feinen Anzug an“. Das ist auch heute noch meine Meinung. Die Kirche braucht keinen Prunk und kein Gold und Silber. Als ich 16 Jahre alt war veranstaltete der Seniorenkreis in dem meine Großmutter war, einen kleinen Bazar und verkauften dort ihre Handarbeiten und wollten den Erlös für hungernde Kinder in Afrika spenden. Die eingenommenen 3000 DM wurden dann aber von der gottesfürchtigen, frommen alten Gemeindeschwester regelrecht entwendet. Sie meinte es sei wichtiger dafür für die evangelische Kirche, die laut Martin Luther eigentlich auf Prunk verzichten sollte, neue Altardecken mit eingewebten Goldfäden zu kaufen. Sie fand das
sinnvoller als „schwarzen Bimbo Kindern“ im weitentfernten Afrika das leben zu retten. Da der „Herr Pfarrer“ dieser Frau auch noch zustimmte, sagten die alten Leute nichts dagegen, denn gegen einen Pfarrer sagt man ja nichts. Da hat mein Großvater doch recht der sagte „Hinter frommen Masken prunken die Halunken“. Wäre dieser Vorfall 2 Jahre früher passiert hätten mich keine 10 Pferde zur Konfirmation in diese Kirche gebracht. Dieser Vorfall war auch der Anlass das ich mich mit 21 Jahren dazu entschloss den Angestellten Gottes auf der Erde den Rücken zu kehren und bekundete schriftlich beim Amtsgericht meinen Austritt aus der evangelischen Kirche. Hätte ich mit 14 Jahren schon gewusst das es in Deutschland ein Gesetz gibt das besagt das jedes deutsche Kind ab dem 14. Lebensjahr wählen kann ob es einer Religion angehören will und wenn
ja welcher, hätten mich keine Macht der Welt in diese gottverdammte Konfirmandenstunde und diesen bescheuerten Religionsunterricht bei diesem
Pfarrer gebracht. Während einer Religionsstunde bei diesem Affen malte dieser Typ, mit Kreide, ein Kreuz auf meinen Motorradhelm, der vor mir auf dem Tisch
lag. Auf dem Nachhauseweg wurde ich dann von einem Auto geschnitten und stürzte schwer. Das hat ich nun davon. Ich bekam zwar noch mal einen Brief von dem
Pfarrer den ich aber nicht beantwortete. Kirchen betrat ich fortan nur noch bei Beerdigungen und Besichtigungen, wie z.B. der Chaderale von Palma de Mallorca oder des Klosters Valle de Mossa auf Ibiza. Im Alter von 15 Jahren konnte ich meine Eltern überreden, das ich wieder ein staatliches Gymnasium besuchen
durfte. Das wurde dann aber ein gewaltiger Tiefschlag für mich, da ich diesem Leistungsdrucksystem  „Friss oder stirb“ nicht mehr gewachsen war und ich die 9
Klasse wiederholen musste, da die dort mit dem Lehrstoff ja viel weiter waren und selbst nach dieser „Ehrenrunde“ schaffte ich nicht mehr den Anschluss und
verließ mit 16 Jahren das Gymnasium mit dem Hauptschulabschluss. Soviel zu dieser “tollen Humbold Schule“. Danach wollte ich mich um eine
Elektrikerlehrstelle bewerben. Als der erste Versuch misslang wegen dem zwar von einem Gymnasium ausgestellten aber trotzdem saumäßigen Hauptschulzeugnis, kamen meine Eltern wieder auf den Plan, da mein Vater auf einer Handelsschule war, sei das auch das beste für mich. Für meine Mutter kam ein
Steineklopferberuf so und so nicht in Frage. Was sollen denn die Leute von uns denken das alte Lied. Natürlich musste es wieder eine private Handelschule sein. Mansche Leute werden eben selbst aus Fehlern nicht gluck, weil sie sich für unfehlbar halten. Diese Schule musste natürlich auch wieder Hausaufgabenbetreuung haben und war auch wieder ziemlich weit weg. also wieder morgens um 6 aufstehen und zum Bahnhof laufen und abends nach Hause und dann
auch noch Bürokram büffeln, wo ich doch lieber in der freien Natur gearbeitet hätte. Dann auch noch „Steno“ im heutigen Computerzeitalter und das mit meiner
Sauklaue die kleinen Zeichen, wo wird das heute noch verwendet? Und erst da Maschinenschreiben mit 10 Fingern war für mich ein totales Chaos, ich schreibe
selbst heute am Computer nur mit 2 Fingern, das war trotz größter Anstrengung nicht möglich da mitzuhalten. Es dauerte nicht lange und ich hatte auch hier wieder resigniert und gab bei den Test weiße leere Blätter ab. Zu Hause wieder nur der übliche Spruch „man muss nur wollen, dann klappt das“. Aber dass das meine Finger nicht mitmachten wurde wieder nur mit Faulheit erklärt. Das einzige wo ich sogar dem Lehrer etwas vormachen konnte war Englisch, weil die ja quasi von vorne anfingen. Diese Schule brach ich gegen den Willen meiner Eltern mit meiner langersehnten Volljährigkeit mitten im Jahr ab indem ich einfach nicht mehr hin ging und stattdessen Bewerbungen für Handwerksberufe schrieb und verschickte. Die 4. Bewerbung hatte schließlich auch Erfolg. Eine Ausbildung zum Betriebsschlosser bei den Heidelberger Zementwerken in Mainz. Also doch „Steineklopfer“ und nicht jeden Tag einen feinen Anzug, ich war in meinem Element und ich präsentierte stolz den Ausbildungsvertrag meiner Mutter, deren Reaktion darin bestand, das sie meinen Vater beauftragte mit mir zum Unterzeichnungstermin zu gehen, damit die nicht glaubten ich hätte das alleine
vollbracht. Aber was soll s von da an ging es aufwärts. Selbst in der Berufsschule hatte ich gute Noten, weil es mir Spaß machte und ich es selber wollte. Ich bekam vom Werk Sicherheitsschuhe gestellt, worauf meine Mutter meinte diese schönen Halbschuhe könne man doch nicht zum Arbeiten im Dreck anziehen. Aber ich war froh für diese Schuhe, bei den schweren Stahlplatten die wir da bewegten. Nur der Schutzhelm war lästig, wenn man nicht gewohnt ist eine
Kopfbedeckung zu tragen, also wurde er sobald kein Meister in der Nähe war, abgesetzt und in die nächste Ecke geworfen, leichtsinnig wenn man bedenkt, das
eine vom Turm herunterfallende Schraube einem wie eine Pistolenkugel die Schädeldecke durchschlagen hätte können. Den Helm habe ich glaube heute noch als
Erinnerung. Da ich damals auch schon mein erstes Auto hatte, konnte ich jeden Freitag an der Werkstankstelle billig tanken. Super Benzin für schlappe 79 Pfennige den Liter, wo es draußen an der normalen Zapfsäule immerhin schon 1.43 DM kostete. Das kam daher das der Zement mit Öl gebrannt wurde und deswegen das
Benzin auch gleich steuerfrei per Schiff angeliefert wurde.